Sieben ungewöhnliche Konzertsäle in ganz Deutschland hat der Generalmusikdirektor der Stadt Bonn für MERIAN herausgesucht. Dirk Kaftans Liste umfasst Häuser, die klassische Musik nahbar machen, die kreativ mit den Gegebenheiten vor Ort umgehen und die eine außergewöhnliche Akustik haben.
In Köthen (Sachsen-Anhalt) trägt die einstige Reithalle des Schlosses seit 2008 ein weißes Dach voller klarer Kanten; für den Mix aus historischer Basis und modernem Aufbau gab es sogar den Architekturpreis des Landes Sachsen-Anhalt. Im Haus ist Platz für 440 Zuhörer, die hier bei toller Akustik Konzerte von Weltrang hören – etwa alle zwei Jahre bei den Bachfesttagen. Johann Sebastian Bach komponierte hier seine „Brandenburgischen Konzerte“.
Einen solchen Konzertsaal erwartet niemand in einem 7000-Einwohner-Ort: Die Akustik hier ist großartig. Der Gebäudekern (eröffnet 2019) ist aus Stahlbeton, Heizungs- und Lüftungsanlage wurden nahezu geräuschlos konstruiert.
Dieser Saal eignet sich auch für große Besetzungen, und die sind hier regelmäßig zu hören. Die Jeunesses Musicales Deutschland sitzt in Weikersheim (Baden- Württemberg). Das gefällt mir an diesem Konzertsaal eigentlich am allermeisten: dass er die Jugend mit High-End-Orchestern nebeneinander stellt.
Musikforum Ruhr in Bochum
Was für ein Entree! Der Chor der einstigen St.-Marien-Kirche ist das Foyer für die beiden Konzertsäle des Musikforums Ruhr in Bochum. Der moderne Anbau an die neogotische Backsteinkirche wurde 2016 eingeweiht. Die Akustik ist toll, und auch die Multifunktionalität der Räume. Zu verdanken ist dieses Haus vor allem der Verlegerin Anneliese Brost; ihre Stiftung und weitere Privatspenden haben es zu großen Teilen finanziert. Spannend finde ich auch das Konzept: Neben den Bochumer Symphonikern hat hier auch die städtische Musikschule ihr Zuhause.
Seinem Sohn Rudolf, der im Ersten Weltkrieg gefallen war, stifteten der Oetker- Firmengründer und seine Frau einst dieses Konzerthaus in Bielefeld. Er ist ein Saal, der die Stadt jetzt seit über 90 Jahren prägt. Und er gilt bis heute als akustisches Meisterwerk: Die gesamte Decke ist als Resonanzfläche konzipiert; das Interieur – wie die großen Deckenleuchten oder die abgestuften Deckenspiegel und die hervorstehenden Tür- und Fensterrahmen – zerstreut den Schall. Kein Wunder, dass dieser Saal gerne auch für Tonaufnahmen genutzt wird.
Ein echter Jugendstiltraum! Weil um die Jahrhundertwende immer mehr Besucher nach Bad Kissingen (Bayern) kamen, ließ Prinzregent Luitpold ein neues Kurhaus bauen. Für mich ist der Bau mit seinen verschiedenen Sälen vor allem dank seiner Innenausstattung ein echtes Juwel: sei es der Grüne Saal mit seiner sehr intensiven Wandfarbe, der Weiße Saal mit opulentem Stuck oder der Große Saal mit seiner Kirschholzvertäfelung. Die Ebenholzintarsien in der Vertäfelung geben diesem Saal eine besonders gute Akustik.
Als klar war, dass der Fürst-von-Metternich-Saal auf Schloss Johannisberg im Rheingau (Hessen) unter Corona-Bedingungen nicht wirtschaftlich bespielt werden kann, entwarf der Haupttontechniker des Rheingau Musik Festivals diesen provisorischen Konzertkubus. Neben einer ausgeklügelten Be- und Entlüftung hat der Kubus außerdem eine Akustik von unglaublicher Qualität. Er ist für mich ein tolles Beispiel für eine provisorische Spielstätte. Mittlerweile ist der Konzertkubus wieder abgebaut, mit 30 Lastwagen kann er an jeden anderen Ort transportiert werden. Ich bin sicher: Er wird anderswo wiederbelebt werden.
Zum schönsten Konzertsaal überhaupt hat das Feuilleton der „Welt“ die Stadthalle in Wuppertal einmal erklärt. Tatsächlich erwartet einen ein unfassbar toller Saal auf dem Elberfelder Johannisberg. Das Neorenaissance-Schloss hat beide Weltkriege überstanden, eine Ausnahme in der Stadt. Wie hervorragend die Akustik dieser traditionellen Schuhschachtel-Architektur ist, hat übrigens sogar ein finnisches Forscherteam bewiesen. Im Vergleich mit vielen Top-Konzertsälen lag die Stadthalle weit vorne.
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