Auf Tour durch Wälder, Moore und die Berge inmitten spektakulärer Natur: Das Erzgebirge eignet sich ausgezeichnet für Erkundungen mit Rad und Mountainbike. Profi André Wagenknecht führt uns an die Hot-Spots der Region.
Datum 24.08.2022
Es war mein Opa, der meine Begeisterung fürs Radfahren geweckt hat. Er ist selbst sehr gern gefahren und hat viel mit mir an meinem Rad geschraubt. Ich wollte nämlich schon als Kind kein normales, sondern eines, mit dem man coole Stunts machen konnte. So wie die Teenies in „Die BMX-Bande“ mit Nicole Kidman. Mit sechs Jahren brachte ich mir bei, mit meinem aufgepeppten BMX-Bike auf dem Hinterrad zu fahren. Ich bin oft völlig dreckbespritzt nach Hause gekommen.
Mit der Wende – da war ich elf Jahre alt – kamen Mountainbikes auf. Ich bekam zwar eines, aber das war ziemlich billig. Ich habe mit 15 oder 16 in den Sommerferien auf dem Bau und im Fahrradladen gearbeitet, um mir ein richtig gutes kaufen zu können.
Aufgewachsen bin ich im Vogtland, aber wegen der großartigen Mountainbike-Strecken wurde das Erzgebirge bald zu meinem Trainingsrevier, besonders, seit ich mit 15 meine ersten Rennen fuhr. Vor allem auf der tschechischen Seite, am Klinovec gleich hinter der Grenze zu Sachsen, waren wir viel unterwegs. Der Klinovec ist mit mehr als 1240 Metern der höchste Berg im Erzgebirge, das Revier ziemlich fordernd. Aber wenn du besser werden willst, brauchst du auch Strecken, die dich an deine Grenzen bringen. Inzwischen haben sie dort einen riesigen Bikepark und sind auch auf Familien eingestellt. Ich denke, dass ich meinen Sohn Willi dieses Jahr mal dorthin mitnehmen werde und mit ihm die leichten Flowtrails ohne Steine und Baumwurzeln fahre. Willi ist jetzt fünf.
Im Winter kann man am Klinovec auch toll Abfahrtski fahren. Diesen Sport habe ich erst mit 26 für mich entdeckt. Auf dem Fichtelberg, mit 1215 Metern der höchste Berg Sachsens, gibt es im Winter tollen Pulverschnee. Rauf kommt man mit der Fichtelberg-Schwebebahn, der ältesten Seilschwebebahn Deutschlands. 2011, als wir diesen langen, schneereichen Winter hatten, habe ich mir Langlaufskier gekauft. Langlauf ist klasse, weil man dabei abschalten und gleichzeitig was für die Fitness tun kann. Dafür kann ich die Kammloipe zwischen Schöneck im Vogtland und Johanngeorgenstadt im Erzgebirge sehr empfehlen.
Manchmal bin ich da mit Freunden unterwegs – jeder hat einen Rucksack dabei, einer trägt den Campinggrill, einer das Bier und zusammen verbringen wir dann einen coolen Tag. Viele Mountainbiker kommen ins Erzgebirge, um die Route des Miriquidi-Stoneman und im Trailcenter Rabenberg zu fahren. Beide sind super. Der Rabenberg ist ein reines Enduro-Trainingscenter mit eher rauem Gelände – und es gibt dort keinen Lift!
Der Miriquidi-Stoneman führt über 162 Kilometer sowohl durch den deutschen als auch den tschechischen Teil des Erzgebirges. Dabei überwindet man 4400 Höhenmeter – man kann aber auch nur einzelne Abschnitte fahren. Der Begriff Stoneman ist abgeleitet von den Steinmännchen, die den Weg markieren. „Miriquidi Silva“ (etwa „finsterer Wald“) ist eine mittelalterliche Bezeichnung für die Region und beschreibt die waldreiche, fast mystische Landschaft der Gegend. Tatsächlich fährt man noch heute durch eine märchenhafte Kulisse aus dichten Tannenwäldern, Wasserfällen, Mooren, Bächen und Seen.
Wer sanft ins Mountainbiking einsteigen möchte, ist entlang der Blockline gut aufgehoben. Die Route führt 140 Kilometer durch das Erzgebirge und ist dank kürzerer Etappen von sechs bis 20 Kilometer Länge auch für Familien zugänglich. Nur ein paar Kilometer südlich liegt Seiffen, wo es 1993 den ersten Mountainbike-Marathon Deutschlands gab. Hier spielt aber vor allem das Schnitzhandwerk eine große Rolle. Man kann kleine Betriebe und Schauwerkstätten besuchen, die Krippenfiguren und Holzspielzeug herstellen. Ich habe dort einmal eine Räucherfigur in Form eines Fahrrads geschenkt bekommen. In der Weihnachtszeit ist Seiffen besonders schön, richtig gemütlich.
Um die lokale Küche kennenzulernen, sollte man im Gasthof Forsthaus in Lengefeld einkehren. Im Forsthaus bekommt man einfache, gutbürgerliche Küche – ich habe da zum Beispiel mal eine sehr leckere Brennnesselsuppe gegessen. Essen kann man auch im „Prijut 12“ in Oberwiesenthal sehr gut. Der Gründer Lutz Heinrich ist Bergsteiger und hat sein Lokal mit Skiern und anderen Utensilien geschmückt. Die machen dort eine leckere Soljanka, die schön durchwärmt. Der Schnaps wird mit einer Spielzeugeisenbahn gebracht.
Nicht weit weg liegt das Hotel des Skispringers Jens Weißflog. Der ist total nett und sein Hotel schön eingerichtet. Wer einen mehrfachen Olympiasieger treffen will: Die Chancen, dass man ihm hier über den Weg läuft, sind gut. Als Unterkunft finde ich auch die Schäferwagen neben den Badegärten in Eibenstock nett. In die Badegärten gehen meine Frau und ich manchmal, wenn wir uns einen schönen Tag zusammen machen wollen. Die russische Sauna mag ich am liebsten. Die Blockhütten wurden in Russland gebaut und dann hergebracht. Und nebenan stehen die Schäferwagen, in denen man übernachten kann. Für den Fall, dass man noch ein bisschen bleiben möchte.
Ganz gemächlich fließt der Shannon River durch das Herz von Irland. Eine Woche lang war unsere Autorin mit dem Hausboot auf Irlands großem Strom unterwegs. Für ein paar Tage wurde sie Teil der freundlichen Fluss-Community, übte sich als Kapitänin – und in der Kunst der Langsamkeit.